Saturday, October 11, 2008

Additum 522 – Einer, der „geknickert“ wurde

Donnerstag, 9. Oktober 2008, 17:31 MEZ
Sancta Nongrata an Vermiculi Sancti und Selige Spam

CC: 'Papst Benedikt XVI.'; 'Dr. Ralph Bergold - Katholisch-Soziales Institut'; 'Kardinal Paul Josef Cordes - Präsident des Päpstlichen Rates "Cor Unum"'; 'Bernhard Docke - Anwalt von Murat Kurnaz'; 'Prof. Benjamin B. Ferencz - Völkerechtler und ehemaliger US-Ankläger bei den Nürnberger Prozessen'; 'Manfred Gnjidic - Anwalt von Khaled El-Masri'; 'Prof. Theodor W. Hänsch - Physik-Nobelpreisträger - Papstberater'; 'Prof. August Heuser - Dommuseum Frankfurt am Main'; 'Dr. Karl-Joseph Hummel - Direktor der Kommission für Zeitgeschichte e. V. (KfZG'; 'Prof. Fotis Kafatos - Molekularbiologe - Biotechnologe - Papstberater'; 'Wolfgang Kaleck - Anwalt für Menschenrechte'; 'Prof. Jörg Kinzig - Strafrechtler'; 'Prof. Thomas Macho - Kulturwissenschafter'; 'Renato Kardinal Martino - Präsident des Päpstlichen Rates für Justiz und Frieden'; 'Dr. Maria Meesters - Katholische Rundfunkarbeit am SWR'; 'Dr. Vehlow & Wilmans - Rechtsanwälte'; 'Benedikt Widmaier - Haus am Maiberg - Akademie für politische und soziale Bildung der Diozöse Mainz'; 'Michael Witti - Anwalt für Menschenrechte'; 'Apostolische Nuntiatur in Berlin'; 'Deutsche Bischofskonferenz'; 'Katholisch-Soziales Institut'; 'Kontemplative Schwestern vom Guten Hirten'; 'Päpstliches Komitee für Geschichtswissenschaften'; 'Radio Vatikan'; 'Radio X'


Liebe Würmer, liebe Spam,

gerade erinnere ich mich an das, was mir ein deutscher Katholik anvertraute. Ich versuche, seine Worte wiederzugeben:

Der Kaplan fuhr ein VW Käfer Cabrio und war Chef vom Tischtennis-Klub des Kolping-Vereins. Das bescherte ihm bei uns kleinen Jungen ein gewaltiges Renommee. Der Kaplan war unwahrscheinlich dick, und ich in meinem kurzen Höschen saß auf seinem Schoß wie festgeklemmt, wie im Schraubstock, während er mich knickerte, das heißt, meine kleinen Knicker in seiner großen Hand hin und her rollte. Es geschah immer auf einem Stuhl neben der Tischtennisplatte. Der Gottesmann erklärte mir währenddessen, was meine Freunde beim Tischtennisspielen alles falsch machten. Eines Tages wurde der Kaplan von den Eltern eines Jungen angezeigt. Bei den Ermittlungen jedoch sagte ich, ebenso wie auch all die übrigen Geknickerten, dass ich nie angefasst worden sei – jedenfalls nicht da. Wir deckten den frommen Mann aus Angst um unseren guten Ruf, und um zu verhindern, dass unser Tischtennisklub geschlossen würde. Der Junge, der seine Eltern eingeweiht hatte, war in der frommen kleinen Stadt unten durch – war dreckig. Durch unsere Lüge waren wir anderen im Vorteil.

Es ist also davon auszugehen, dass ein Vielfaches von dem, was geschieht, nie raus kommt. Meist ist der Befleckende anschließend rein, der Befleckte schmutzig. Der Täter hat sich entfleckt, das Opfer wurde befleckt. „Nimm einfach deinen Schwanz zur Hand, der Fleck geht weg, ganz ohne Rand“ heißt ein Spruch, der sich vor allem dann erfüllt, wenn das befleckte Gegenüber leise weggeht.

Vielleicht sollte ich einmal das Video drehen: „Einer, der geknickert wurde“ und an den Vatikan senden. Zum Verständnis des gottgeweihten Knickerspielers müsste aber im Vorspann auf die „Theologie des Leibes“ verwiesen werden, auf „eine Pädagogik, die uns den wahren Sinn unseres Körpers verstehen hilft“ und die „
pastorale Einsichten von überraschender Tiefe und unschätzbarem Reichtum bietet“, „jene Einsichten, die sich bereits in ‚Humanae vitae finden“.

„ZENIT – Die Welt von Rom aus gesehen“, Kanadas Bischöfe geben Orientierungen über die Liebe (07.10.2008)
http://www.zenit.org/article-16081?l=german

Befleckt sind auch die Frauen, die vergewaltigt wurden. Ein Glück, das an Maria, der Unbefleckten, kein Sexualverbrechen geschah, sonst würden zu ihren Ehren keine Marienaltäre mit Gold-und Blumenschmuck errichtet – sie wäre eine „Verdorbene“. Auch ihre Freiheit von Erbsünde durch ihre „Unbefleckte Empfängnis“ (immaculata conceptio) – also durch saubere Eltern – die seit der Bulle Ineffabilis Deus (1854) von Papst Pius IX. als „von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben« ist, hätte ihr nicht weitergeholfen.

Befleckt sind auch die ehemaligen Heimkinder, die endlich über die Verbrechen reden, die an ihnen in kirchlichen Einrichtungen begangen wurden. Einige von ihnen, die in katholischen Heimen Unrecht erlitten, wurden sogar vor Gericht gezerrt, um ihnen den Mund zu verbieten. Dies war allerdings nicht erfolgreich.

Befleckt sind auch alle in Guantanamo Eingesperrten. Schon allein durch ihren Aufenthalt dort sind sie stigmatisiert – ihre „christlichen“ Folterherren und Folterdamen jedoch nicht. Überallhin kann das Foltergesindel mit Freifahrtschein reisen – so auch zu deutschen Polizeihelfern. Wahrscheinliche Verbrechen durch geheime „Programme“ an den Gefangenen in Guantanamo werden vermutlich nie aufgedeckt – ebenso wenig wie die Verbrechen des geistlichen Knickerers. Denn für alle Beteiligten ist es vorteilhaft, über ihr furchtbares Wissen eisern zu schweigen – sogar zu lügen, dass sich die Balken biegen. Und eine Befreiung der Gefangenen wie einst aus den furchtbaren deutschen KZs gibt es leider nicht. Die monströse Perversität Guantanamo ist besser bewacht als jemals ein Gefängnis in der Menschheitsgeschichte – zu Lande, zu Wasser und aus der Luft.

Leider gibt es auch deutsche kooperierende Helfer für Folterregime, als ob Deutschland nicht schon genug auf dem Kerbholz hätte. Für die Kirche sind sie vorteilhaft, weil sie durch ihr entlohntes Tun das Kirchensteueraufkommen erhöhen. Eine Prüfung auf Kirchensteuerwürdigkeit nach christlichen Kriterien, vergleichbar einer Kreditwürdigkeitsprüfung, gibt es bisher nicht Doch eine würdige Kirche dürfte eigentlich keine Zuwendungen von in ihrem Sinne unwürdigen Menschen entgegennehmen. Wenn sie es trotzdem tut, ist sie korrupt. Doch die Kirche denkt wohl wie die alten Römer: pecunia non olet – Geld stinkt nicht. Also hat jeder deutsche christliche Folterbefürworter und Folterhelfer das Privileg, ohne Aufnahmeprüfung Kirchensteuer zahlen zu dürfen.

BKA-Rebell Dieter Schenk stellt in seinem neuesten Buch die deutsche Polizeihilfe für Folterregime an den Pranger:

Dieter Schenk: BKA. Polizeihilfe für Folterregime
Bonn, Verlag J.H.W. Dietz Nachf. - Oktober 2008
400 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8012-0388-7, 28 Euro

Bürger- und Menschenrechtler fordern Achtung des Folterverbots und parlamentarische Kontrollen für BKA-Auslandseinsätze (7.10.08)

Gemeinsame Pressekonferenz und Buchpräsentation "BKA. Polizeihilfe für Folterregime"
http://www.humanistische-union.de/aktuelles/veranstaltungen/terminedetail/back/aktuelles/article/buerger-und-menschenrechtler-fordern achtung-des-folterverbots-und-parlamentarische-kontrollen-fuer/
Dieter Schenk
http://www.publizist-schenk.de/
Nicht tolerierbar (Interview von „german-foreign-policy.com“ mit Dieter Schenk, 07.10.2008)
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57356
Mit militärischen Mitteln (07.10.2008)
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57357?PHPSESSID=cmv8jfceufbrili91uac10ph30

CETERUM CENSEO, BELLUM ET TORMENTUM ESSE INTERDICENDA.

Mit herzlichen Grüßen

Nongrata

WIDER DIE FOLTER !

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